Mythos Voynich-Manuskript

 „Was weißt du über das Voynich-Manuskript?“

Diese Frage hatte Marcus Brody ihm so ganz nebenbei gestellt, während er gerade damit beschäftigt war, Sahne und Zucker in seinen Kaffee zu rühren, aber Indiana Jones hörte diesen bestimmten Tonfall nicht zum ersten Mal…

„Soweit ich mich erinnere, wurde das Manuskript für eine Ausstellung seltener Bücher an Yale ausgeliehen“, begann Indy und trank dann einen Schluck heißen schwarzen Kaffee. „Es ist mindestens vierhundert Jahre alt, wurde in einer unbekannten Sprache von dem Alchemisten Roger Bacon geschrieben und birgt allem Anschein nach das Geheimnis des Steins der Weisen – der laut Überlieferung die Macht besitzt, Blei in Gold zu verwandeln, und Unsterblichkeit verleiht. Die Entdeckung des Manuskripts hat vor ein paar Jahren international Aufsehen erregt, damals war ich noch Student. Ich meine mich zu entsinnen, dass man es als das ‚geheimnisvollste Manuskript der Welt’ bezeichnete, aber alle Versuche, es zu entschlüsseln, sind fehlgeschlagen.“[1]

 

Nun, nicht alle Versuche sind fehlgeschlagen. Bevor wir uns dem Manuskript selbst widmen, möchten wir Ihnen die gängigen Theorien um die Entstehung des Werkes aufzeigen und eine weitere Vermutung hinzufügen.

Zu den gesicherten Erkenntnissen gehört, dass Wilfried M. Voynich, ein amerikanischer Buchhändler, der auf Raritäten spezialisiert war, 1912 die Bibliothek der Villa Mondragone betrat.

Voynich wurde am 31.10.1865 in Polen geboren und studierte an den Universitäten von Warschau, St. Petersburg und Moskau, wo er einen Abschluss in Chemie und Pharmazie erhielt. Nachdem er einer anarchistischen Untergrundorganisation mit dem Namen „Narodnaya Volia“ beigetreten und bei einem Gefangenenbefreiungsversuch 1886 verhaftet wurde, gelang ihm 1890 die Flucht über Hamburg nach London. 1891 heiratete er dort und druckte und versandte von London aus gemeinsam mit seiner Frau russische Übersetzungen von Texten von Marx und Engels. Als ein Freund 1895 getötet wurde, zog sich das Ehepaar aus allen revolutionären Aktivitäten zurück. 1902 eröffnete Voynich einen Buchladen am Soho Square No. 1. Er spezialisierte sich auf Erstauflagen und extrem seltene Bücher.

Immer auf der Suche nach Exemplaren für sein Geschäft führte ihn sein Weg in die Villa Mondragone, Frascati, in Italien, in der ein Jesuiten-Orden residierte und die ursprünglich zum Collegium Romanum gehörte. Er kaufte den Jesuiten verschiedene Werke ab und, wie aus einem handgeschriebenen Brief seiner Frau Ethel Lilian hervorgeht, war das Voynich-Manuskript darunter.

Im Frühjahr 1914 zog Voynich nach New York und 1915 wurde das Manuskript erstmals der Öffentlichkeit in Chicago präsentiert. Voynich verschickte Kopien des Manuskripts an die besten Dekodierer seiner Zeit und 1921 wurde eine erste „Lösung“ von William Romaine Newbold veröffentlicht, in der er behauptete, das Manuskript sei das Werk von Roger Bacon. Voynich erwartete nun einen teueren Verkauf des Manuskripts, aber stattdessen brach eine weltweite Diskussion über Newbolds Theorien aus. Voynich starb 1930 im Besitz des Manuskripts.

Erst 1961 wurde das Buch den Erben Voynichs von dem New Yorker Antiquitätenhändler Hans P. Kraus für 24.500 $ abgekauft. Aber auch er konnte keinen Käufer für das Manuskript finden und so spendete er es der Yale Universität im Jahre 1969.

Die Universität hebt es bis heute in der Beinecke Rare Book and Manuscript Library unter der Katalognummer MS 408 auf.

Die erste Theorie über das Voynich-Manuskript entwickelte wie schon erwähnt William Romaine Newbold (1865 – 1926), ein Philosophie-Professor der Universität von Pennsylvania. Er war Dekodierer im Auftrag der Regierung während des ersten Weltkrieges gewesen. Voynich selbst schickte ihm eine der ersten Reproduktionen des Manuskripts. 1926, nach seinem Tod, wurden seine Ergebnisse in dem Buch „The Cipher of Roger Bacon“[2] veröffentlicht.

Roger Bacon lebte von 1214 bis 1294 als englischer Philosoph. Er war auch bekannt als Doctor Mirabilis[3] und gilt als einer der ersten Verfechter streng wissenschaftlicher Methoden. Bacon wurde in der Nähe von Ilchester in Somerset geboren und stammte aus einer königstreuen, später verarmten Familie. Um 1233 setzte er nach Frankreich über, um an der Universität von Paris Theologie zu studieren. Gleichzeitig kommentierte er die aristotelischen Schriften. Etwa 1245 wechselte er nach Oxford, wo er über 10 Jahre naturwissenschaftliche Experimente in Astronomie, und Studien in Sprachen, Logik und Mathematik betrieb. Wahrscheinlich 1257 trat er, zurück in Paris, in den Franziskanerorden ein. Für Papst Clemens IV., den er als Raymond de Laon kennen gelernt hatte und mit dem er freundschaftlich verbunden war, schrieb er um 1266/67 drei Werke, die er als Summe seines Wissens verstand und zur Ausbildung dienen sollten: „Opus maius“, „Opus minus“ und „Opus tertium“. Wohl wegen einiger astrologischer Ansichten wurde Bacon 1277 unter Arrest gestellt. 1292 erschien sein letztes bekanntes Werk „Compendium studii Theologiae“.

Newbold glaubte, das Bacon ein Kenner der Kabala, einer jüdischen Lehre der Zahlenmystik, sei. Er begann mit der Untersuchung eines Satzes auf der letzten Seite des Manuskripts, den er las als "Michiton oladabas multos te tccr cerc portas".

 

Er klammerte alle sinnlosen Teile aus, so dass er den Satz zu "Michi dabas multas portas" transformierte, was im Lateinischen soviel heißt, wie „Du zeigtest mir viele Tore“. Im kabalistischen  Zusammenhang bezieht sich das Wort „Tor“ auf jede gegebene Kombination von zwei hebräischen Buchstaben. Aus dieser Theorie heraus entwickelte Newbold einen Code, in dem aus jeweils zwei Zeichen des Manuskripts ein Codebuchstabe erzeugt wird. Leider konnte er aus dem Ergebnis immer noch nichts erkennen.

Schließlich kehrte er zur letzten Seite des Manuskripts zurück und untersuchte den Buchstaben „o“ in dem Wort „multos“. Der Rechtschreibung folgend hätte hier eigentlich ein „a“ stehen müssen. Nach längerem Überlegen stellte sich Newbold auf den Standpunkt, dieser Buchstabe sei ein „a“, nur verzerrt durch den Umstand, dass es durch drei verschiedene einzelne Striche erzeugt worden sei. Er unterstellte von nun an, jeder einzelne Strich hätte seine eigene unabhängige Bedeutung. Er arbeitete von nun an mit einem Mikroskop an dem Manuskript und konzentrierte sich auf die einzelnen Striche. Er schlüsselte das ganze Manuskript nach Strichen auf und es kamen oft bis zu zwanzig Striche pro Zeichen zusammen. Bei weiterer Untersuchung fand er, dass Striche aus noch feineren Elementen zusammengesetzt waren, die wiederum noch kleinere Elemente enthielten. Newbold glaubte in ihnen eine griechische Kurzschrift zu erkennen. Seiner Meinung nach enthielt der Text Bacons „Opus maius“. An einer Stelle fand er eine Eklipse aus dem Sommer von 1290, an anderer Stelle vermutete er in einer Zeichnung den Andromeda Spiral Galaxie M31.

Dass die Erfindung des Fernrohrs, ohne das die Galaxis nicht als solche zu sehen ist, ebenso wie die des Mikroskops erst Jahrhunderte später stattfand, bewies für Newbold nur, dass Bacon diese Dinge schon im Geheimen entwickelt hatte. Seine Entdeckungen steigerten das öffentliche Interesse an dem Manuskript.

Nicht lange nach der Veröffentlichung von Newbolds Buch begannen sich kritische Stimmen zu äußern, allen voran John Manly[4], ein Englisch-Professor von der Universität von Chicago, der als militärischer Kryptologe im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam. In einem Artikel 1931 schrieb er eine vernichtende Beurteilung über Newbolds Theorie der völligen Neugruppierung der synthetisch erzeugten Buchstaben. Um die Sinnlosigkeit dieser Methode zu demonstrieren, gruppierte er sie neu zu völlig anderen Inhalten. Manly merkte an, dass die Übersetzung nur das Wunschdenken des Übersetzers hervorbrachte. Zu den Mikrostrichen, die Newbold gefunden hatte, wies er nach, dass sie lediglich durch den Alterungsprozess des Papiers entstanden waren. Posthum wurde Newbolds Reputation als Kryptologe völlig zerstört und er selbst als durch Besessenheit krank geworden dargestellt.

1931 brachte Mrs. Voynich eine Kopie des Manuskripts zu Prof. H. Hyvernat von der Catholic University of America, ein bekannter Spezialist für Sprachen des Nahen Ostens. Aus gesundheitlichen Gründen konnte sich dieser aber nicht intensiv darum kümmern und gab es an seinen Assistenten Theodore C. Petersen[5][6] weiter. Dieser arbeitete bis zu seinem Tode intensiv an der Übersetzung, aber es wurden weder eine Theorie noch Ergebnisse bekannt. Er bemühte sich sehr um die Identifikation der Pflanzen. Unterstützung fand er in Theodor Holm, einem dänischen Botaniker, und Hugh O’Neill, einem Benediktiner Mönch und Botaniker[7]. Sie glaubten, 16 Pflanzen erkannt zu haben.

Der nächste bekannte Versuch wurde von Joseph Martin Feely, einem Rechtsanwalt, unternommen. Er hatte einige Werke über geheime Codes in Shakespeare-Werken herausgebracht. 1943 überraschte er die Fachwelt mit dem Buch „Roger Bacon’s Cipher: The Right Key Found“[8]. Feely startete mit der festen Überzeugung, dass Roger Bacon der Autor des Voynich-Manuskripts war. Daraus folgerte er, dass die zugrunde liegende Sprache Latein wäre. Er analysierte Bacons lateinische Werke und stellte fest, dass sieben Buchstaben häufiger vorkamen als andere: a, e, i, n, s, t u. Dieselbe Analyse führte er mit dem Voynich-Manuskript durch und ersetzte die dort häufigen Zeichen mit den im Latein gefundenen. Aber die Resultate waren unbedeutend und Feely versuchte sein Ergebnis durch den Hinweis auf Abkürzungen zu retten.

Beispiel (f78r):

 = FESTSN  -> soll „festivi sunt“ heißen.

Seine Kritiker fanden den Titel seines Buches zu mutig und niemand folgte seinen Erklärungen.

1945 wurde der nächste Versuch zur Entschlüsselung des Voynich-Manuskripts veröffentlicht[9]. Autor war diesmal Prof. Leonell C. Strong (1894 – 1973), ein bekannter Krebs-Spezialist der Yale Universität. Er wurde durch O’Neills Publikation auf das Manuskript aufmerksam und nahm als Grundlage für seine Arbeiten das Buch von Newbold, das einige Folien abgedruckt enthielt. Strong vermutete, dass Anthony Askham[10] der Autor des Manuskripts sei. Er gab an, eine komplizierte polyalphabetische Dekodierungsmethode entwickelt zu haben, die er allerdings nicht vollständig veröffentlichte. Ein Beispiel seines entschlüsselten Textes ist:

When skuge of tun'e -bag rip, seo uogon kum sli of se mosure-issued ped-stans skubent, stokked kimbo-elbow crawknot.

Kritisiert wurde an der Methode, dass sie bei Auslegung eines Zeichens auf andere Weise im folgenden Text zu ganz anderen Ergebnissen führt. Leider ergab das Ergebnis auch nur an wenigen Stellen Sinn.

Zur selben Zeit fand das Voynich-Manuskript das Interesse des berühmtesten Kryptologen seiner Zeit: William F. Friedman[11]. Als Wolfe Frederick Friedman wurde er am 24.9.1891 in Chisinau, Moldawien, geboren. Seine Familie flüchtete 1893 vor antisemitischer Verfolgung in die USA, wo Friedman eingebürgert wurde und seinen Vornamen in William änderte. Nach einem Abschluss an der Cornell Universität wurde Friedman von einer Firma Riverbank Laboratories angestellt,  deren Tätigkeit man heute als „Think Tank“ bezeichnen würde. Er begann sich dort für Codes und Verschlüsselungen zu interessieren und lernte auch in der entsprechenden Abteilung seine spätere Frau Elizebeth Smith (1892 – 1980)[12] kennen, die ihn in das Gebiet einführte. 1917 heirateten die beiden und arbeiteten während des Ersten Weltkrieges im Kriegsministerium. Zwischen den Weltkriegen wurden ihre kryptologischen Kenntnisse vom U.S. Schatzministerium gegen Schmuggler und Drogen-Ringe eingesetzt. 1937 dechiffrierte Elizebeth Friedman im Auftrag der kanadischen Behörden den chinesischen Code eines Opium-Dealers ohne die Sprache zu sprechen. Während des zweiten Weltkrieges enttarnten die Friedmans eine der wichtigsten japanischen Spioninnen, die Schiffsbewegungen  in Pearl Harbor an den Gegner meldete. Die Friedmans begründeten die hauptsächlichen Decodierungsmethoden und schrieben die Standardwerke, nach denen nachfolgende Generationen ausgebildet wurden. William Friedman starb am 2.11.1969, der amerikanische Geheimdienst NSA benannte im Jahre 2002 eines seiner Gebäude nach dem Ehepaar.[13]

William Friedman hatte ersten Kontakt zum Voynich-Manuskript durch Manly, dem er half, die Unhaltbarkeit von Newbolds Theorie zu beweisen. Das Geheimnis ließ ihn nicht mehr los, bis er 1944 eine Kryptologen-Feierabendsgruppe gründete, die später die „First Study Group“ (FSG)[14][15] genannt wurde. Ihr gehörten an:  Robert A. Caldwell, G. E. McCracken, Thomas A. Miller, Frances Puckett, Frances Wilbur, Mark Rhoads[16] und William M. Seaman. Diese Gruppe beschloss, das komplette Manuskript in einem Alphabet zu strukturieren und in eine maschinenlesbare Form zu bringen. Friedman entwickelte in dieser Zeit die Theorie, das Manuskript sei in einer synthetischen Sprache geschrieben. Die FSG existierte bis 1946.

1962 gründete Friedman die zweite Feierabendgruppe, die „Second Voynich Manuscript Study Group“ (SSG)[17]. Diese Gruppe gab den Text des Voynich-Manuskripts in einen RCA Computer[18] ein. Große Probleme ergaben sich durch die Ähnlichkeit und Verwechslungsmöglichkeiten der Zeichen des Manuskripts. Dennoch machte Friedman ein paar Auswertungen und plante eine größere Veröffentlichung, aber dann verschlechterte sich seine Gesundheit und die zweite Gruppe fiel 1963 auseinander. Interessante Veröffentlichungen über Friedmans Arbeit am Manuskript finden sich bei Jim Reeds[19] und Mary E. D'Imperio[20].

Der nächste bekanntere Versuch einer Entschlüsselung kam von einem Philosophie-Professor der Yale-Universität, Robert S. Brumbaugh[21][22][23][24]. Er wurde in den 30er Jahren von O’Neill für das Manuskript interessiert. Brumbaugh ging davon aus, dass dem Manuskript ein lateinischer Text zugrunde läge und entwickelte in den 70er Jahren ein Verfahren, alle lateinischen Buchstaben den Ziffern 0 bis 9 zuzuordnen. Dabei ergaben sich natürlich Doppel- und Dreifachbelegungen. Diese Ziffern wurden auf die Zeichen des Voynich-Manuskripts projiziert, die auch doppelt und dreifach den Ziffern zugeordnet waren. Auf einer Seite fand er zum Beispiel eine Pflanze, von der er glaubte sie ähnelt der Pfefferpflanze. Dort fand er eine Zeichenfolge, die er in 757752 umdeutete und nahm dann an 7 stände für „p“ („Pepper“).  Allerdings fand er heraus, dass manche Worte besser herauskamen als andere, denn leider ergab sich kein größerer Sinnzusammenhang. Schließlich vermutete er weiter, dass die Zuordnung von Seite zu Seite sich ändere, aber das brachte immer noch keinen Erfolg. Letztlich biss er sich auf der letzten Seite am selben Satz fest wie Newbold: „michi con olada ba“. Aus „con“ und „ba“ erzeugte er „Bacon“ und bei „olada“ erhöhte er jeden Buchstaben um drei, so dass sich „rodgd“ ergab, woraus er „Roger“ ableitete. Vom Inhalt des Manuskripts glaubte Brumbaugh, dass es sich um eine Abhandlung über das Elixier des Lebens handele.

William Ralph Bennet[25], ein weitere Professor von Yale, versuchte das Problem mit dem Computer zu lösen. Er verarbeitete die Zeichen aus dem Manuskript nach den Regeln der Entropie. Dabei wurden Häufigkeiten von Zeichen und „Wörtern“ mit anderen Sprachen verglichen. Die einzige Sprache, bei der er Ähnlichkeiten fand, war die Hawaiianische. Er hielt sich allerdings mit Vermutungen bedeckt. Bis heute werden von verschiedenen Forschern ähnliche Methoden angewandt, die Schwäche ist allerdings die Qualität der Übereinstimmung zwischen dem Manuskript und den computerlesbar erfassten Daten. Auf einem Symposium in den 70ern schlug daher Mary E. D’Imperio vor,  eine Vereinheitlichung für alle Suchenden zu schaffen.

1978 veröffentlichte John Stojko[26] ein Buch, in dem er behauptete, das Manuskript sei eine Kopie von Briefen, die in Ukrainisch geschrieben seien. Er gab ein Beispiel für Seite f15v an:

  1. Why are you measuring the measure? The measure is the same. Even after Great One, the bones will be broken. I am telling you. Relic should believe me.
  2. Where after religion you believe in religion and wish that to Ora. Emptiness is that what Baby God's Eye is fighting for.
  3. Eye of God, you are measuring empty religion for the world. Your aim, not religion, is living in you.
  4. Eye, be careful. You should remember one holy freedom and eternal conscience.

Leider passte der Text nicht zu den Abbildungen und man durfte Vokale (a, o) nicht berücksichtigen. Wortabstände im Manuskript wurden auch vernachlässigt. Historiker kritisierten außerdem, das solche Briefe nicht hätten in der Ukraine geschrieben werden können, und so fand seine Theorie nur wenig Akzeptanz.

1987 wurde das Buch von Leo Leviktov[27], einem Arzt, auf den Markt gebracht, das die These vertrat, das Voynich-Manuskript sei das Predigt-Handbuch einer ketzerischen Sekte, der Cathari. Er sah den Text als lyrische Schmerz- und Sterbemeditation. Die vielen Bilder nackter Frauen in Wasser sah er als Symbole der Euthanasie. Wissenschaftlich wurde von ihm aber nichts untermauert.

Mit der massiven Verbreitung des Internets begann sich ab 1991 eine lockere internationale Gemeinschaft von Amateur-Forschern zu bilden.

Zbigniew Banasik aus Polen verbreitete 2003 über die polnische Presseagentur, dass er vermute, die dem Manuskript zugrunde liegende Sprache sei Manchu, eine fast verdrängte Provinzsprache aus China.

Zuletzt ist noch die britische Ufo-Forscherin Georgia Bruni zu nennen, die 2001 gegenüber der Bild-Zeitung in Deutschland behauptete: „Das Voynich-Manuskript enthält Bilder des Andromeda-Nebels. Hier wird seit langem Leben vermutet.“ Nach ihrer Theorie landeten Außerirdische im Mittelalter in Europa und übergaben ihre Schriften einem Mönch zur Aufbewahrung.

WEITER


[1] McCoy, Max, “Indiana Jones and the Philosopher’s Stone”, Bantam Books, New York 1995

[2] Newbold, William Romaine, “The Cipher of Roger Bacon”. Edited with foreword and notes by Roland Grubb Kent. Philadelphia: University of Pennsylvania Press, 1928

[3] Latein: „wunderbarer Lehrer“

[4] Manly, John M., ``Roger Bacon and the Voynich Manuscript.'' Speculum 6 (July 1931): 345-91.

[5] Petersen, Theodore C., ``Notes to Mr. Tiltman's [1951] Observations on the Voynich Cipher MS.'' Unpublished. 23 April 1953.

[6] Petersen, Theodore C., Hand Transcript and Concordance of the Voynich Manuscript and Other Working Papers. In the Friedman Collection, George Marshall Library, Lexington, Virginia.

[7] O'Neill, Hugh, “Botanical Observations on the Voynich Manuscript”. Speculum 19 (1944) p. 126

[8] Feely, Joseph M, “Roger Bacon's Cipher: The Right Key Found”, Rochester, 1943

[9]Strong, Leonell C., ``Anthony Askham, the author of the Voynich Manuscript.'' Science, n.s. 101 (15 June 1945): 608-9. 

[10] Askham, Anthony, „A Little Herball“, 1550

[11] Friedman, W. F., and E. S. Friedman. ``Acrostics, Anagrams, and Chaucer.'' Philological Quarterly 38(1959), pp.1-20

[12] Friedman, Elizebeth S.,  “The Most Mysterious Manuscript' Still an Enigma.'' The Washington Post, 5 August 1962, sec. E, pp. 1,5

[13] Die Bilder des Ehepaar Friedman stammen von der Website der NSA, www.nsa.gov

[14] Friedman, William F., Two ``First Study Group'' transcription alphabet sheets. WFF 1609.1

[15] Friedman, William F., ``First Study Group'' transcription alphabet sheet. WFF 1609.2

[16] Friedman, William F., Mark Rhoads, et al. Minutes of the ``Voynich Manuscript Research Group,'' 1944-45. National Cryptologic Museum, VF 10-8

[17] Friedman, William F., et al. Printout of partial transcription, Second Study Group, ca. 1963. WFF 1609.3

[18] Friedman, William F., et al. Correspondence with RCA Corp. about activities of ``Second Study Group,'' 1963. WFF 1609.4

[19] Jim Reeds. ``William F. Friedman's Transcription of the Voynich Manuscript.'' Cryptologia 19 (1995) pp.1-23

[20] D'Imperio, Mary E., “The Voynich Manuscript - an elegant enigma”, Aegean Park Press, 1978

[21] Brumbaugh, Robert S., “The World's Most Mysterious Manuscript” Carbondale: Southern Illinois University Press, 1978. London: Weidenfeld and Nicholson, 1977

[22] Brumbaugh, R. S., ``Botany and the Voynich `Roger Bacon' Manuscript Once More.'' Speculum 49(1974), 546-48

[23] Brumbaugh, R. S., ``The Solution of the Voynich `Roger Bacon' Cipher.'' Yale Library Gazette 49(1975): 347-55

[24] Brumbaugh, R. S., ``The Voynich `Roger Bacon' Cipher Manuscript: Deciphered Maps of Stars.'' Journal of the Warburg and Courtauld Institutes 39(1976): 139-50

[25] Bennett, William Ralph, “Scientific and Engineering Problem Solving with the Computer.” Englewood Cliffs: Prentice-Hall, 1976

[26] Stojko, John, “Letters to God's Eye: The Voynich Manuscript for the first time deciphered and translated into English” New York: Vantage Press, 1978

[27] Levitov, Leo, “Solution of the Voynich Manuscript: A Liturgical Manual for the Endura Rite of the Cathari Heresy, the Cult of Isis.” Laguna Hills, California: Aegean Park Press, 1987